Das Investment: Darum sind Schwellenländeranleihen besser als ihr Ruf

sjb_werbung_das_investment_300_200Anleihen aus den Schwellenländern litten zuletzt unter schwindender Schuldnerqualität und schwächelnden Landeswährungen. Das könnte jetzt vorbei sein.

Manche Dinge passieren an der Börse immer wieder, ohne dass jemand nachdenkt. Als zum Beispiel die Briten am 24. Juni Goodbye zur Europäischen Union sagten, traten Investoren global auf die Risikobremse und verkauften. Unter anderem auch Anleihen aus Schwellenländern. „Das war nur ein Reflex“, stellt Viktor Szabo, Senior Investment Manager bei Aberdeen Asset Management, klar. Er hat inzwischen recht behalten – die Kurse stiegen wieder und schossen sogar weiter hinauf.

Denn für Schwellenländeranleihen – egal ob in Dollar, Euro und den eigenen Landeswährungen – gibt es alle möglichen Probleme, nur der Brexit gehört nicht dazu. Er wirkt sich allenfalls indirekt später aus.

Die vier wichtigen Brandherde sind die US-Geldpolitik, die Wirtschaft von China, die Rohstoffpreise und die eigene Wirtschaftspolitik. Bei allen vieren gab es zuletzt Druck, bei dreien lässt das aber nun wohl nach. Die US-Notenbank will mit weiteren Zinserhöhungen erst mal abwarten, was in Europa passiert. Das entlastet die Schwellenländer, weil nun doch nicht so viel Geld zurück in die USA zurückfließt wie zunächst befürchtet. In China sieht es nun doch erst mal nicht nach dem Untergang aus, die Geschichte mit dem wachsenden Mittelstand und dessen Kaufkraft läuft weiter. Es riecht nach moderatem Wachstum.

Die Rohstoffpreise haben sich stabilisiert und sind zum Teil sogar wieder deutlich gestiegen. Das hilft jenen Ländern, die außer Materialexporten wirtschaftlich nicht viel zu bieten haben. Die meisten sitzen in Lateinamerika. Für die eher rohstoffverbrauchenden Länder in Asien sind die Preise dagegen noch niedrig genug, um die Wirtschaften nicht abzuschnüren.

Neuer Versuch für Argentinien

Bleibt noch die Politik, und hier hapert es mitunter gewaltig. So versucht nun in Argentinien nach der umstrittenen Cristina Kirchner der neue liberalkonservative Präsident Mauricio Macri, das Land nach Kirchners verrückten sozialistischen Protektionsmaßnahmen und einer Rezession wieder in die Spur zu bringen. Immerhin: Im April legte das Land Dollar-Anleihen für 16,5 Milliarden Dollar auf, die mehr als vierfach überzeichnet waren. Zwar in einer Zeit, in der Anleger fast alles kaufen, was hochverzinst ist, aber trotzdem. In Brasilien ist die erfolglose und mutmaßlich korrupte Präsidentin Dilma Rousseff für sechs Monate beurlaubt, und alle Augen ruhen auf ihrem Vertreter Michel Temer.

Andere Länder, andere Sitten – die Schwellenländer geben einmal mehr ein diffuses Bild ab. Insgesamt ist aber der über Jahre aufgebaute Bonus wieder weg. Das durchschnittliche Rating des Anleihe-Index von J.P. Morgan tauchte zum ersten Mal seit 2010 wieder unter die Schwelle zur Investment-Qualität.

Entsprechend schwach schnitten die Anleihen ab. Die in Dollar ausgegebenen Papiere profitierten immerhin noch vom Aufschwung der US-Währung (siehe Chart unten). Der Index für Anleihen in den eigenen Währungen der Länder tritt dagegen seit vier Jahren auf der Stelle – trotz Zinsen. Die Rendite der Lokal-währungsanleihen liegt übrigens derzeit bei durchschnittlich 5,7 Prozent, die der Hartwährungsanleihen bei 4,4 Prozent.

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Quelle: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch

Und nun? Wir haben einmal gemessen, wie sich die Wirtschaftsleistung der Länder seit 2001 im Vergleich zur Eurozone entwickelt hat. Siehe da: Fast alle haben gewaltig aufgeholt (siehe Grafik unten). Ihre Währungen spiegeln das aber nicht wider, sondern zeigen eine verblüffende Schwäche. Oder haben gerade die abgewerteten Währungen diese Wachstumsraten erzeugt? Schwer zu sagen, was hier das Ei und was das Huhn ist. Es gibt kein Naturgesetz, dass alle Währungen nun aufwerten müssen. Aber es gibt sehr wohl Chancen, dass sich der Fortschritt in gut regierten Ländern auch im Wechselkurs niederschlägt.

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Quelle: DAS INVESTMENT, IWF, Bloomberg

Das macht Schwellenländeranleihen zwar nicht zu einem Musst-du-haben-Tipp. Aber sie sind eine ernste Alternative in einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank den ihr zum Schutz unterstellten Euro ganz unverhohlen schwächen will.

Preisparadies Polen

Wie sexy weiche Währung und weiche Wirtschaft sein können, zeigt der jahrealte Einkaufstourismus der Ostdeutschen in Polen. Handwerker kaufen dort Material, Frauen Schuhe, Autofahrer Benzin. Obwohl die Preislücke schrumpft, sind einige Dinge noch immer billiger. Vor allem Raucher haben es gut: In Polen kostete eine Schachtel Ende 2015 im Schnitt 3,08 Euro, in Deutschland 5,14 Euro.

Von: Andreas Harms

Quelle: Das Investment

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