Das Investment: Norman Boersma: „Ich lernte auf die harte Tour“

sjb_werbung_das_investment_300_200 SJB|Korschenbroich, 16.01.2013. Norman Boersma, Manager des Aktienklassikers Templeton Growth (WKN: 941034), über seinen beruflichen Werdegang, das Miteinander bei Templeton, und die Volatilität der Aktienmärkte. Das Interview stellte Franklin Templeton zur Verfügung, die Fragen stellte Ben Temple, ein Mitarbeiter bei Franklin Templeton in San Mateo.

Wie sind Sie in die Asset Management Branche eingestiegen?

Norman Boersma: Nach meinem College-Abschluss Anfang der 1980er Jahre sah es auf dem Arbeitsmarkt ziemlich düster aus. Also fing ich zunächst in der Elektronikfirma meines Vaters an. Nach meinem ersten Arbeitsjahr verkaufte er das Unternehmen an Hewlett-Packard. Nicht meinetwegen, soviel ich weiß.

Nach der Übernahme arbeitete ich ein Jahr lang für Hewlett-Packard. Es zeichnete sich ab, dass ich ohne Ingenieursabschluss in diesem Beruf langfristig kaum weiterkommen würde. Also beschloss ich, mich stattdessen wieder ganz meinem MBA-Studium zu widmen. Ich hatte schon nebenher auf meinen MBA zugearbeitet und besaß bereits einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss.

Der Aktienmarkt hatte mich schon immer interessiert. Ich handelte auf eigene Rechnung mit Aktien und lernte auf die harte Tour – durch Verluste. Natürlich ist es besser, erst mal Erfahrungen zu sammeln, indem man eigenes Geld verliert, und nicht das Geld anderer Leute.

Nach meinem Abschluss hatte ich Glück und wurde in ein finanzwirtschaftliches Trainee-Programm der Pensionskasse eines großen Stromversorgers in Ontario, Kanada, aufgenommen. Fünf Jahre später managte ich ein Small-Cap-Portfolio und lernte durch einen gemeinsamen Kontakt Don Reed kennen. Er suchte gerade Mitarbeiter zur Erweiterung der Templeton-Gruppe, und ich trat seinem Team in Toronto bei. Das war der Anfang meiner Karriere bei Templeton.

BT: Was würden Sie einem Berufsanfänger in Ihrer Branche raten?

NB: Ein College- oder Hochschulabsolvent sollte nicht glauben, schon alles zu wissen. Ich glaube, man sollte sich als junger Mensch unbedingt vergegenwärtigen, dass man noch viel lernen muss. Die Ausbildung ist sehr wichtig, doch praktische Erfahrungen im Alltag und mit verschiedenen Marktzyklen sind durch nichts zu ersetzen. Das bedeutet nicht selten, dass man sich mit Dingen befassen muss, die nicht so glanzvoll sind, wie es in der Ausbildung womöglich dargestellt wurde. Das alles gehört zum Lernprozess. Nehmen junge Leute dies bereitwillig an, dann haben Sie meines Erachtens gute Aussichten.

BT: Was für eine Kultur fördern Sie innerhalb der Templeton Global Equity Group?

NB: Für uns ist Teamwork das A und O. Jeder ist im Research für einen bestimmten Sektor und/oder ein Land zuständig. Wir werfen all unsere Erkenntnisse und Ideen in einen Topf, und daraus bauen wir Portfolios auf. Wir sind also alle aufeinander angewiesen, und das Arbeitsklima ist von Teamgeist geprägt.

Außerdem haben wir eine sehr flache Struktur. Wir packen alle mit an und ziehen an einem Strang. Hierarchie spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Wir haben ja alle ein- und denselben Auftrag, und der dreht sich um Aktien aus aller Welt. Natürlich gibt es Teilbereiche wie globale Aktien ohne USA, ohne Großbritannien, ohne Australien oder ohne Kanada und so weiter, doch im Grunde ist das als ein Produkt zu betrachten, zu dem wir alle beitragen müssen.

BT: Manche Fondsmanager prophezeien für die Zukunft, dass wir uns an mehr Marktvolatilität gewöhnen müssen. Würden Sie dem zustimmen und erkennen Sie darin Chancen?

NB: Wir haben auf jeden Fall einen Anstieg der Volatilität erlebt, und die Marktstruktur hat sich verändert. Es ist viel mehr kurzfristiges Geld unterwegs, was sicherlich für diese Theorie spricht.

Wir versuchen, aus Volatilität Kapital zu schlagen, ob sich die unabwendbare Katastrophe nun in Zeitlupe ereignet oder rasend schnell.

Wir achten de facto auf Entwicklungen, mit denen der Markt eindeutig unzufrieden ist, sodass er eine Aktie im Grunde unter das Niveau drückt, das unser Research für gerechtfertigt hält. Solche Aktien sind unsere zukünftigen „Stars“. Ob das sehr schnell passiert oder in Zeitlupe, auf jeden Fall eröffnet es uns eine Chance.

BT: Wird es für einen Value-Investor jemals eng, wenn eine Aktie langsamer reagiert als Sie vielleicht vermutet hatten?

NB: Das ist das Schwierigste am wertorientierten Investieren. In Anlehnung an eine bekannte Redensart: Man sollte kein Value-Investor sein, weil die Märkte länger irrational bleiben können, als Sie zahlungsfähig sind.

Das trifft durchaus zu. Manchmal kann ein Markt wirklich überreagieren. Sie haben Ihre Hausaufgaben gemacht und wissen, was Sie vor sich haben – doch der Markt braucht sehr lange, um den Wert anzuerkennen. Und in der Zwischenzeit entwickelt sich die betreffende Anlage weiter unterdurchschnittlich.

Wenn Sie richtig diversifizieren, können Sie solche Phasen meist aussitzen. Wir investieren aus langfristiger Überzeugung – weil wir an unsere Anlageentscheidungen glauben.

BT: Was finden Sie an den globalen Aktienmärkten am aufregendsten?

NB: Im letzten Jahr haben wir auf den Aktienmärkten zwar häufig „Verzerrungen“ beobachtet, doch meines Erachtens nehmen wir derzeit vermutlich mehr attraktive Anlagechancen wahr als jemals in meiner ganzen Laufbahn.

Investoren meiden Aktien nach wie vor, obwohl festverzinsliche Instrumente effektiv, nach Steuern und Inflation, vielfach negative Renditen bringen. In Bezug auf die Aktienmärkte ist das Publikum nach wie vor ausgesprochen nervös. In aller Regel ist es gut, wenn Geld noch nicht massenhaft strömt. Das bedeutet, es gibt keine Exzesse, wohl aber Gelegenheiten. Insgesamt gibt mir das in Bezug auf unsere Aktivitäten ein gutes Gefühl.

BT: Verraten Sie uns ein paar der wichtigsten Lektionen aus Ihrer Zusammenarbeit mit Sir John Templeton? Wie haben sie Ihre heutige Vorgehensweise geprägt?

NB: Ich hatte nicht viele Überschneidungen mit Sir John, habe ihn aber in meinen ersten Jahren im Unternehmen auf jeden Fall beobachtet. Eines konnte er richtig gut – das nämlich, was wir heute in Europa machen: Abkoppelungen ermitteln und langfristige Chancen nutzen.

Ich weiß noch, wie er während der Asienkrise Mitte bis Ende der 1990er Jahre begann, hohe Summen in Korea zu investieren, das damals eines der heikelsten asiatischen Länder war und vom breiteren Anlegerpublikum ignoriert wurde.

Doch sein Standpunkt war, dass viele Unternehmen aus der Region fundamental solide aufgestellt waren. Da sie am stärksten abgestraft wurden, würden sie auch am meisten gewinnen, wenn sich das Blatt wendete. Das hat Sir John damals gemacht, und das machen wir heute nach wie vor.

Quelle: DAS INVESTMENT.

 

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