Das Investment: Die besten ausgewogenen Mischfonds für Europa

sjb_werbung_das_investment_300_200Börsen-Krisen umschiffen und im Aufschwung dabei sein, das ist der Wunsch vieler Anleger. Wer diesen Spagat innerhalb der kleinen Gruppe der ausgewogenen Europa-Mischfonds am besten hinbekommt, zeigt der aktuelle Crashtest.

Angesichts minimal verzinster Sparbücher, die oftmals im Nullkommapromille-Bereich liegen, suchen deutsche Sparer eher notgedrungen nach Anlagealternativen. Um der Zinslosigkeit zu entrinnen, wandern vor allem gemischte Fonds-Konzepte über die Verkaufstresen der Banken. Je diversifizierter der Mix aus verschiedenen Anlageklassen, desto geringer ist schließlich die Gefahr gleichzeitiger Kursrückgänge. Das glättet, zumindest theoretisch, den Kursverlauf entsprechend aufgestellter Portfolios.

Ausgewogene Mischfonds dürften deshalb für viele Anleger ein guter Kompromiss sein. Die vorgeschriebenen Aktienquoten bewegen sich bei den meisten Produkten zwischen 30 und 60 Prozent. Das reicht allemal, um dürftigen Zinserträgen auf der Anleiheseite zu begegnen. Bei einem Aktien-Crash wiederum sollten sich die Verluste in verschmerzbaren Grenzen halten.

So liegt etwa die Volatilität, welche die Schwankungsbreite misst, beim Stresstest-Sieger Deka Nachhaltigkeit-Balance bei nur geringen 3,4 Prozent über drei Jahre. Beim Kategorie-Durchschnitt sind es rund 8 Prozent. Zum Vergleich: Bei reinen Europa-Aktienfonds wie dem in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erfolgreichen Jupiter European Growth liegt die gemessene Schwankungsbreite im selben Zeitraum bei fast 14 Prozent.

Ein in der Zukunft liegendes Problem sollten Besitzer von Mischfonds allerdings ins Kalkül ziehen: Die Lage an den Anleihemärkten wird es klassischen Mischfonds künftig erschweren, ihre in der Vergangenheit gezeigten Leistungen zu wiederholen. Weil die Zinsen kaum noch tiefer fallen dürften, entfällt an dieser Stelle die Möglichkeit größerer Kursgewinne. Umgekehrt könnte es durchaus zu größeren Kursverlusten bei Anleihen kommen, wenn die Zinsen irgendwann einmal wieder steigen.

Die Anzahl der Fonds, die sich für den Crashtest qualifiziert haben, hat sich mit 26 Produkten gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Einige wenige neue Produkte sind hinzugekommen, während der letztjährige Crashtest-Sieger BHF Value-Balanced FT in die deutlich größere Kategorie der globalen ausgewogenen Mischfonds umgezogen ist. Der ehemals 32 Millionen große Allianz Best-in-One-Europe Balanced hingegen wurde im Oktober 2015 aufgelöst und mit dem weltweit agierenden Dachfonds Premium Stars Wachstum verschmolzen.

Neu dabei ist der Echiquier Arty auf Rang 12. Der Fonds der französischen Fondsboutique La Financière de l’Echiquier gehört mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro zu den größten Fonds im Testfeld, ist hierzulande aber noch wenig bekannt. Seine Fondsmittel legt er zu einem Großteil (54 Prozent) in seiner Heimat Frankreich an.

Die drei Siegerfonds im Kurzporträt

Der Gesamtsieger: Condor Balance-Universal

Sowohl der Gesamtsieg als auch der Sieg in der Performance-Wertung geht an Dachfondsmanager Steffen Bender von Feri Trust. Für die Versicherungsgesellschaften Condor und HUK managt er verschiedene Dachfonds mit unterschiedlichen Risikoprofilen, die jedoch auch außerhalb von Versicherungspolicen frei erhältlich sind.

Im Condor Universal-Balance muss Bender mindestens 30 Prozent in Rentenfonds anlegen. Für bis zu 70 Prozent kann er Aktienfonds kaufen, hier bevorzugt Fonds mit Fokus auf europäischen Aktien.

Im Laufe des neuen Jahres hat Bender die Aktienquote von knapp 70 Prozent auf aktuell 47 Prozent gesenkt. „Die Erfahrung zeigt, dass es sich nie lohnt, Asset-Klassen vollkommen abzubauen“, sagt er. Stattdessen sei es immer besser, diversifiziert zu bleiben. Als „überraschend gering“ schätzt Bender zudem den Einfluss des richtigen Kaufzeitpunktes und die Auswahl einzelner Wertpapiere ein.

Im Aktienbereich achtet Bender trotzdem sehr stark auf die Person. Infrage kommende Fondsmanager werden in persönlichen Gesprächen umfangreich analysiert. Mit 30 Prozent des Fondsvermögens setzt er derzeit auf das Können von Phillip Dicken und Peter Fruzzetti sowie ihre Nebenwertefonds Threadneedle Pan European Smaller Companies und MFS Meridian European Smaller Companies. Ergänzend sind Europa-Klassiker wie der MFS Meridian European Value und der Blackrock European Special Situations im Portfolio.

Eine erste kleine Position hat Bender im noch recht jungen und weniger bekannten Value-Small-Cap-Fonds Fortezza Finanz Aktienwerk aufgebaut. Dessen Manager Jochen Waag war zuvor am Erfolg des Scherrer Small Caps Europe maßgeblich beteiligt.

Die Rentenseite deckt Bender derzeit ausschließlich mit ETFs ab. Aktiv gemanagte Rentenfonds sind dem Dachfondsmanager aufgrund des niedrigen Zinsniveaus schlichtweg zu teuer. Der zunehmende Wettbewerb der ETF-Anbieter führe außerdem dazu, dass die Kosten in diesem Segment weiter gefallen seien und sich von reinen institutionellen Mandaten kaum noch unterschieden.

Die jüngsten Kurseinbrüche versteht Bender als Ausdruck einer unsicheren Zukunft. Pessimistisch ist er aber keineswegs, wie er beteuert: „Volatilität ist der Freund des aktiven Managers. Opportunistische Anlagechancen bieten sich 2016 in unterschiedlichen Regionen und Bereichen. Wir setzen daher weiter auf erfahrene Zielfondsmanager.“

Der Performance-Zweite: Allianz Flexi Euro Balance

Erst seit Mai 2015 ist Jürgen Bokr für den bereits 1999 aufgelegten Allianz Flexi Euro Balance verantwortlich. Sein Ziel: den Vergleichs-Mix aus jeweils 50 Prozent Aktien und Renten der Eurozone mittels einer aktiven Steuerung beider Anlageklassen zu übertreffen. Um es zu erreichen, analysiert er sowohl Markt-und Wirtschaftszyklen als auch die jeweiligen Bewertungen.

„Die Marktzyklus-Analyse nutzt die Eigenschaft, dass Kapitalmärkte häufig in Trends verlaufen. Durch die prozyklische Übergewichtung von Anlageklassen mit positivem Trend und Untergewichtung von solchen mit negativem Trend streben wir an, Mehrerträge zu erzielen und Verlustrisiken zu mindern“, erklärt Bokr.

Die Aktienauswahl basiert auf der Conviction-Strategie von Allianz Global Investors. Dabei investiert Bokr sowohl in Papiere strukturell wachsender als auch am Markt unterbewerteter Unternehmen. Entscheidend ist für ihn die Qualität der Unternehmen. Geschäftsmodell, Bilanzlage und Finanzpolitik müssen sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten erkennen lassen.

Aktuell liegt der Fokus auf Konsumwerten wie der Brauerei Anheuser-Busch Inbev. Der niedrige Ölpreis und reale Einkommenszuwächse in den meisten europäischen Ländern wirken sich Bokr zufolge unterstützend aus. Ebenfalls übergewichtet hat er Technologietitel wie SAP: „Neue Produkte verleihen dem Sektor Wachstumsimpulse.“ Wenig Potenzial sieht Bokr dagegen bei Bank-und Industrietiteln, weil sie von Gewinnrevisionen und regulatorische Risiken belastet seien.

Auf der Rentenseite kommt die ebenfalls hauseigene Advanced Fixed Income-Strategie zum Einsatz. Diese verfolgt einen strukturierten Ansatz, um von fundamentalen Ineffizienzen an den Rentenmärkten zu profitieren. Außer in Staatsanleihen der Kernländer investiert der Fonds verstärkt auch in Peripherie-Papiere und Spread-Produkte. Über die Hälfte der im Portfolio enthaltenen Staatspapiere stammen aus Spanien und Italien. Französische und deutsche Anleihen kommen auf ein Gewicht von zusammen 19 Prozent. Die Duration liegt bei 7,5 Jahren.

Aktuell ist der 190 Millionen Euro schwere Fonds defensiv aufgestellt. Der Aktienanteil liegt am unteren Rand bei 46 Prozent. „Bei weiter expansiver Geldpolitik der EZB sowie einer Stabilisierung des Ölpreises können die erreichten Kursniveaus selektiv zum Kauf beziehungsweise zur Aufstockung genutzt werden“, sagt Bokr. Er geht jedoch davon aus, dass das Umfeld für Aktien weiter volatil bleibt.

Der Stresstestsieger: Deka Nachhaltigkeit-Balance

Der erst im Dezember 2011 aufgelegte Fonds der Sparkassen-Tochter Deka hat sich die volle Punktzahl im Stresstest mit einer erstaunlich niedrigen Volatilität verdient. Anleger mussten in den zurückliegenden drei Jahren lediglich einem maximalen Kursrückgang von knapp 6 Prozent verkraften.

Das Team um Fondsmanager Markus Spory verwendet ein quantitativ-fundamentales Anlagekonzept, das anhand eines mathematischen Modells die Allokation einmal im Monat der erwarteten Marktentwicklung anpasst.

Auf der Aktienseite kann der Fonds bis zu 50 Prozent in globale Wertpapiere anlegen, die nach Grundsätzen der Nachhaltigkeit ausgewählt werden. Dazu werden die Emittenten nach Kriterien für Umweltmanagement (zum Beispiel Klimaschutz und Umweltpolitik), soziale Verantwortung (Menschenrechte, Sozialstandards in der Lieferkette, Sicherheit und Gesundheit) und Unternehmensführung (Bestechung und Korruption, Transparenz und Berichterstattung) bewertet.

Nicht investiert werden soll in Unternehmen mit Verstößen gegen Menschenrechte, Arbeitsrechte, Kinderarbeit oder Korruption sowie in Branchen, die den Mindeststandards des Fonds nicht entsprechen. Um das Portfolio möglichst schwankungsarm zu halten, verfolgt Spory außerdem einen Low-Risk-Ansatz, der gering schwankende Titel bevorzugt. Dieser Ansatz führt momentan zu einer Übergewichtung von Versorgern sowie einem Untergewicht bei Banken und Energietiteln.

Europäische Aktien bevorzugt Spory gegenüber amerikanischen Titel. Große Positionen sind etwa der spanische Übertragungsnetz-Betreiber Red Electrica Corporation oder Air Liquide, eines der führenden Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz.

Die Top-Positionen im Rentenbereich sind allesamt Bundesanleihen. Der Fonds kann zwar durchaus Anleihen anderer Euroländer oder Unternehmensanleihen einsetzen, macht aber vor dem Hintergrund der aktuellen Markteinschätzung keinen Gebrauch davon.

Das aktuelle Umfeld empfindet Fondsmanager Markus Spory als „sehr herausfordernd“. Für ein dauerhaftes Niedrigzins-Umfeld sieht er sich jedoch gut gerüstet: „Im Rahmen seiner dynamischen Asset Allocation hat der Fonds mit bis zu 50 Prozent Aktienanteil einen weiten Spielraum. Parallel dazu gestattet das Renten-Universum Investments in risikoarme Unternehmensanleihen und kann insofern eine ganze Reihe von Renditequellen nutzen.“

GRAFIK: DIE BESTEN AUSGEWOGEN EUROPA MISCHFONDS

Von: Sven Stoll

Quelle: DAS INVESTMENT.

Siehe auch

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