Das Investment: 110 Fonds im Crashtest: Die besten Fonds für Schwellenländeranleihen

sjb_werbung_das_investment_300_200Nach einem schwachen Jahresausklang, der prompt in einen miesen Jahresstart überging, scheinen die Anleihemärkte der Schwellenländer 2016 doch noch die Kurve zu bekommen. Höchste Zeit also, im aktuellen Crashtest interessante von weniger interessanten Angeboten zu trennen.

Renditen von über 5 Prozent sind ein starkes Argument für Anleihe-Investoren, die verzweifelt auf der Suche nach Erträgen sind. Für DER FONDS hat das Münchner Analysehaus FWW Risiko-, Performance- und Rating-Kennziffern von 110 Fonds miteinander verglichen, die ihren Schwerpunkt in den Schwellenländern haben.

Das Ergebnis spiegelt die Entwicklung dieser Märkte in den vergangenen Jahren wider: Einige Schwellenländer-Währungen sind stark unter Druck geraten. Entsprechend belegen Fonds, die sich auf Lokalwährungsanleihen fokussieren, vor allem die hinteren Plätze. Das könnte bald anders aussehen, denn einige Währungen gelten mittlerweile als deutlich unterbewertet mit hohem Aufwertungspotenzial.

GRAFIK: DIE BESTEN SCHWELLENLÄNDER RENTEN

In den vergangenen Jahren waren allerdings Hartwährungsanleihen das bessere Investment. Auf den Siegerplätzen des aktuellen Crashtests liegen durchweg Fonds, die US-Dollar-Anleihen gegenüber Anleihen in lokaler Währung bevorzugen. Der erste Platz geht an den bereits in den 90er Jahren aufgelegten KBC Bonds Emerging Markets (siehe Porträt unten). Platz 2 sichert sich Simon Lue-Fong mit dem Pictet Global Emerging Debt. Wie KBC-Manager Bob Maes setzt auch Lue-Fong vornehmlich auf Staatsanleihen und kann ein paar Unternehmensanleihen beimischen.

Im Performance-Bereich liegt ebenfalls der KBC-Fonds an der Spitze. Der zweite Platz geht an gleich zwei Angebote: den Goldman Sachs Growth & Emerging Markets Debt (siehe Porträt) sowie an den börsennotierten Indexfonds I-Shares J.P. Morgan $ Emerging Markets Bond ETF. Im Stresstest überzeugt die Berliner LBB Invest mit einer ganz speziellen, nervenschonenden Strategie (siehe Porträt).

Die drei Siegerfonds im Kurzporträt

Der Gesamtsieger: KBC Bonds Emerging Markets

Fondsmanager Bob Maes leitet das Schwellenländeranleihen-Team der belgischen KBC Asset Management. Für den 1997 aufgelegten Fonds setzt er auf Hartwährungsanleihen von Emittenten aus den Emerging Markets oder auf Emittenten, die einen überwiegenden Teil ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit dort ausüben. Der Fokus liegt allerdings auf Staatsanleihen. Firmen-Bonds kann Maes bis zu 15 Prozent beimischen, dabei handelt es sich vornehmlich um staatliche Unternehmen. Zu Ende Februar hat er 6 Prozent in Unternehmensanleihen investiert. Sein regionaler Fokus liegt auf Lateinamerika und den Schwellenländern Europas.

Im Crashtest überzeugt Maes vor allem mit seiner Performance-Leistung, dort liegt sein Fonds auf Platz 1. Zudem zählt er zu den Lieblingen der Rating-Agenturen. Bei den Risikofaktoren schneidet er weniger gut ab. Die Volatilität liegt bei rund 10 Prozent. Das dürfte auch an seiner Titelauswahl liegen. Eine Besonderheit des Fonds ist seine Vorliebe für spekulativere Bonds. Mit aktuell rund 50 Prozent ist der Anteil an Anleihen ohne Investment-Grade-Rating vergleichsweise hoch. Maes kann sogar bis zu 100 Prozent in Papiere mit einem Rating von BBB und schlechter investieren.

Seine größte Länderposition ist die Türkei mit 13 Prozent, gefolgt von Indonesien und Russland mit einem Anteil von jeweils 10 bis 11 Prozent. Insgesamt investiert Maes gerade einmal in rund 50 Anleihen. Vertriebspartner in Deutschland für den Fonds ist unter anderem die Bremer Kreditbank (BKB), die nach einer Übernahme 2014 aus der KBC Bank Deutschland entstanden ist.

Der Performance-Zweite: Goldman Sachs Growth & Emerging Markets Debt

Der Fonds ist der Klassiker der vierköpfigen Emerging-Markets-Debt-Fondsfamilie, die Goldman Sachs Asset Management in Deutschland anbietet. Sie enthält neben einem erst drei Jahre alten, über alle Anlageklassen gemischten Fonds drei weitere Produkte mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Crashtest schnitt das im Jahr 2000 gestartete Debt-Portfolio am besten ab und belegt den dritten Platz, im Performance-Bereich sogar den zweiten. Über drei Jahre erzielte der Fonds ein Plus von über 20 Prozent, über fünf Jahre schaffte er mehr als 70 Prozent (Stichtag 27. April 2016).

Schwerpunkt des Fonds sind US-Dollar-Staatsanleihen aus den Schwellenländern. Sie machen zu Ende April 63 Prozent des Portfolios aus. Fondsmanager Yacov Arnopolin mischt taktisch Unternehmens- und Lokalwährungsanleihen bei. Hartwährungsanleihen staatlicher und unabhängiger Unternehmen haben derzeit jeweils ein Gewicht von 11 bis 12 Prozent. Anleihen in lokaler Währung berücksichtigt Arnopolin zurzeit mit weniger als 3 Prozent.

Insgesamt sind rund 400 Positionen im Fonds enthalten. Zunächst analysiert das Schwellenländeranleihen-Team von Goldman Sachs die Fundamental- und Finanzdaten der Länder und prüft ebenfalls politische Risiken. Bei der Einzeltitelauswahl achten die Experten auf Marktverzerrungen, bei denen Kurse von ihren fairen Bewertungen abzuweichen scheinen. Fast die Hälfte des Portfolios ist in Lateinamerika investiert. Damit ist die Region noch stärker gewichtet als ohnehin schon im Vergleichsindex, dem JPM EMBI Global Diversified Index. Zweitgrößte Region ist Mittel- und Osteuropa mit 18 Prozent, gefolgt von Asien mit 15 Prozent.

Der Stresstest-Sieger: Multirent-Invest

Das gute Abschneiden bei den Risikofaktoren kommt nicht von ungefähr: Fondsmanager Lutz Röhmeyer sichert den Fonds von der Landesbank Berlin Investment weitgehend gegen Zinsänderungsrisiken ab. Dazu hält er über Derivate die durchschnittliche Duration im Fonds zwischen null und einem Jahr. Zudem sichert er Währungsrisiken gegenüber dem Euro ab. „Dies geschieht dauerhaft, die Performance soll also nicht durch Glück oder Zufall entstehen, sondern aus einem systematischen Konzept heraus. 86 Prozent der Erträge kommen aus Zinskupons“, so Röhmeyer. Die Volatilität des Fonds liegt daher nur bei knapp über 3 Prozent und damit recht deutlich unter der Schwankungsbreite der Konkurrenz-Fonds.

Röhmeyer investiert für den Fonds in die globalen Rentenmärkte, der Schwerpunkt liegt jedoch auf Anleihen aus den Emerging Markets in Hartwährung. Neben Staatsanleihen kann er in den Schwellenländern auch in Anleihen staatsnaher Unternehmen investieren. „Der Fonds ist völlig benchmarkfern in über 85 Ländern investiert. Die Indizes sind meistens risikogeklumpt und haben dann mit Schwergewichten wie Brasilien ein Problem“, erklärt Röhmeyer. Etwa ein Viertel des Fonds ist in Osteuropa investiert, knapp 20 Prozent in Asien und etwa 14 Prozent in Südamerika. Anleihen aus Westeuropa und Nordamerika machen zusammen rund 15 Prozent des Portfolios aus.

In der Gesamtwertung liegt der Fonds auf Platz 10. Vor allem in guten Phasen war die Performance wenig überzeugend, da er aufgrund der Strategie nur wenige Kursgewinne erzielt. Über drei und fünf Jahre hängt er dem Führungsfeld deutlich hinterher. In den weitgehend schwierigen vergangenen zwölf Monaten jedoch schaffte er es ins Plus und zählt hier zu den besten Performern.

Von: Sabine Groth

Quelle: DAS INVESTMENT.

Siehe auch

TIAM FundResearch: AB: Anleihen-Halbjahresausblick – Mit dem Strom segeln

Die Volatilität hat in letzter Zeit zugenommen, weil die Geldpolitik der Zentralbanken zu divergieren beginnt und die Marktteilnehmer versuchen, den Zeitpunkt und das Ausmaß von Zinssenkungen der Zentralbanken vorherzusagen. Die allgemeinen Konjunkturtrends sind jedoch weiterhin ermutigend, und die Renditen bleiben hoch – vorerst. Wir halten das für günstige Bedingungen für Anleihenanleger – vor allem für …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert