Das Investment: Europäische Aktien: „Das Glas ist halb voll“

sjb_werbung_das_investment_300_200SJB | Korschenbroich, 02.12.2014. „Müsste ich sagen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, würde ich sagen, es ist halb voll“, fasst Uwe Zöllner die aktuelle Lage in Europa zusammen. Im Interview erläutert der Manager des Franklin European Dividend Fund, weshalb er davon überzeugt ist, dass 2015 ein gutes Jahr für Europa werden wird.

Deutsche Aktien standen zuletzt unter Druck. Wird der einstige Börsenstar DAX zu alter Stärke zurückfinden?

Deutschland muss sich daran gewöhnen, nicht mehr der europäische „Superheld“ zu sein. Viele Jahre lang war die deutsche Wirtschaft Vorbild für andere EU-Länder. Während andere Länder mit Problemen kämpften, war Deutschland erfolgreich.

Unser Land hat vieles richtig gemacht, wir hatten aber auch in vielerlei Hinsicht Glück. Als Exporteure von Maschinen, Autos und Chemikalien profitierte unsere Wirtschaft vom Aufschwung in den Schwellenländern. Jetzt kühlt sich die Wirtschaftslage in den Schwellenmärkten ab. Die Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt und das spiegelt sich in den Aktienkursen von Exportunternehmen wider.

Was den DAX betrifft, stimmt es, dass der Durchschnittsdeutsche sich nicht für Marktbewegungen interessiert. Es besteht allerdings Sorge in Hinsicht auf die Wirtschaft insgesamt. Bisher hat Deutschland keinen Konjunkturrückgang erlebt, die Schlagzeilen sind aber zunehmend pessimistisch geprägt und die Verbraucherstimmung wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach in nächster Zeit nicht verbessern.

Das könnte sich möglicherweise sogar als Segen für die deutsche Wirtschaft erweisen, die schon immer Maßnahmen, wie haushalts- oder geldpolitische Interventionen, abgelehnt hat. Stattdessen wurde immer dem Ansatz „einsparen, einsparen, einsparen und Strukturreformen“ gefolgt. Das hat funktioniert und bis jetzt hat Deutschland keine ernsthaften Probleme gehabt. Ich denke, jetzt ist die Zeit der stärker ausgeprägten „pragmatischen“ und „flexiblen“ Stimmen in der Wirtschaftspolitik gekommen.

Wird die Eurozone in eine Rezession abrutschen?

Nun, Italien befindet sich bereits in der Rezession. und Deutschland ist nahe dran, hat aber bisher aufgrund seiner Sparpolitik und durchgeführter Strukturreformen keine ernsthaften Probleme. In Frankreich sieht es nicht gut aus. Strukturreformen sind hier unvermeidlich. Spanien und Portugal haben ihre Hausaufgaben jedoch bereits erledigt. Ich denke nicht, dass die Wirtschaftssituation in der Eurozone so schlecht werden wird, wie wir es 2011 und 2012 bereits erlebt haben. Einen echten wirtschaftlichen Aufschwung werden wir aber wohl erst 2015 oder 2016 erleben. Bei Franklin Templeton schauen wir aber weniger auf solche volkswirtschaftlichen Trends. Vielmehr identifizieren wir preiswerte Qualitätsunternehmen und warten, bis sie ihr Potenzial entfaltet haben.

Fällt es nicht dennoch schwer, Anleger davon zu überzeugen, ihr Geld in europäische Dividendenfonds zu investieren?

Wir glauben, dass es im kommenden Jahr besser laufen wird. Die Reformbemühungen in Italien stimmen optimistisch; sie könnten sich auf den gesamten Euroraum auswirken. Rein aus Anlegersicht werden viele Unternehmen des sogenannten „alten Kontinents“ in Hinsicht auf Indikatoren, wie Gewinn je Aktie oder Eigenkapitalrendite, immer noch unter den Höchstständen von 2007 gehandelt. Es besteht also immer noch Raum für Wachstum.

Müsste ich beschreiben, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, würde ich sagen, es ist halb voll. Natürlich muss sich aus globaler Sicht noch einiges verbessern, das Wachstum in den Schwellenmärkten muss zulegen. Falls die dringend erforderlichen Reformen in der Eurozone aber umgesetzt werden, werden auch die Bewertungen europäischer Unternehmen letztendlich steigen.

Ein schwacher Euro könnte die Konjunktur in der Europäischen Union sehr unterstützen. Die Gemeinschaftswährung war jahrelang – entgegen dem gesunden Menschenverstand – äußerst stark. Seine Abwertung – oder vielmehr die Neujustierung seines Werts – kann nicht nur Deutschland sehr zugute kommen, sondern auch schwächeren südeuropäischen Ländern, die ebenfalls von Exporten außerhalb der Eurozone abhängig sind. Das nächste Jahr könnte daher ein recht gutes werden. Wenn wir an einen wesentlichen Faktor des Wirtschaftswachstums in der EU in der Vergangenheit denken, dann sind da die Exporte, die einen hohen Beitrag zu diesem Wachstum geleistet haben. Das führte zu höheren Investitionen, was wiederum die Beschäftigtenzahlen verbesserte. Und das führte zu einem Anstieg der Konsumausgaben. Ich denke, dieses Mal wird es nicht anders sein.

Falls dem so ist, in welche Unternehmen in Europa sollten Anleger jetzt investieren?

Unser Ansatz sieht keine zeitlich abgestimmten Investitionen vor. Stattdessen suchen wir nach Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen, mit einer starken Marktposition und denen, aus welchem Grund auch immer, der Markt vorübergehend billige Kurse zuschreibt. Die Bewertungen solcher Unternehmen werden eines Tages steigen, selbst wenn sie keine Exporteure sind.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass die Kurse steigen werden?

Die gesamte Wirtschaft wird letztendlich zulegen. Daher werden auch Unternehmen, die sich nur auf den lokalen europäischen Markt konzentrieren, gute Umsatzaussichten haben. So ein Arbitragenmarkt, der auf der Annahme beruht, wenn der Dollar schwach ist, sollte man US-Exporteure kaufen und wenn der Euro beginnt, Wert zu gewinnen, sollte man zu Exporteuren aus Europa umschalten, ist nicht ratsam. Der Grund: Es gibt kurzfristige Anleger, die versuchen, diese Themen auszunutzen. Da werden oft computerbasierte Strategien verfolgt. Das Potenzial dieser Art von Strategie geht daher schnell verloren.

Für uns zählen mehr Bewertung und Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens. Um zum Erfolg zu gelangen, muss man nach Gelegenheiten Ausschau halten, die bislang kaum jemand erkannt hat. So kauften wir zum Beispiel 2012 spanische Aktien. Zu Beginn dieses Jahres haben wir uns Unternehmen mit starkem Engagement in den Schwellenmärkten angeschaut. Timing-Überlegungen spielen dabei weniger eine Rolle. Es reicht die Überzeugung, dass es irgendwann zu einer Trendwende in den Schwellenländern kommen wird.

Deshalb kauften wir auch Aktien eines Herstellers von Bergbaumaschinen. Wir glauben, die Besorgnis über den Rückgang der Nachfrage nach Rohmaterialien aufgrund des Konjunkturrückgangs in China bietet den perfekten Zeitpunkt, um in diese Art von Geschäft zu investieren. Wir erwarten nicht die Einrichtung Dutzender neuer Bergwerke. Wir denken aber, die bestehenden Minen müssen modernisiert werden. Das ist der Grund dafür, dass wir diese Hersteller unserem Portfolio hinzugefügt haben.

Ein weiteres Beispiel für ein Unternehmen, das in Beziehung zum Schwellenmarktengagement steht, ist Ashmore. Das ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, die sich auf Schwellenmärkte spezialisiert hat, insbesondere auf die Verwaltung von Anleihen. Die Sorge über die Zukunft der Schwellenmärkte hat offensichtlich zu Verlusten der Aktie des Unternehmens geführt. Wir sind aber zuversichtlich, dass es sich bei Schwellenmarktanleihen um eine strategische Anlageklasse handelt, für die es immer Anleger geben wird.

Warum wird Ihr Portfolio derzeit von Finanzunternehmen dominiert?

Zunächst haben wir uns gefragt, was Investoren zurzeit nicht mögen. Hier fielen uns Finanztitel auf. Mittlerweile zahlen diese Unternehmen wieder Dividenden. Versicherungen haben ohnehin nie aufhört, Geld an ihre Aktionäre auszuschütten. Das ist der Grund dafür, dass wir in unserem Portfolio Unternehmen wie Ashmore führen, aber auch die Zurich Insurance Group und die Banca Generali.

Im Bankensektor mögen wir Gesellschaften mit traditionellem Geschäftsmodell wie zum Beispiel wie zum Beispiel die Swedbank oder KBC. Diese verfügen über ein starkes Einlagengeschäft und vergeben Kredite, ohne dass sie ihre Bilanz übermäßig hebeln müssten.

Wie lange können die niedrigen Anleihezinsen dividendenstarken Aktien noch Auftrieb geben?

Wir denken, dass dieser Effekt noch für Jahre anhalten wird. Zumindest in Europa werden die Dividendenrenditen noch lange Zeit höher liegen als die Renditen lang laufender Staatsanleihen.

Von: Franklin Templeton

Quelle: DAS INVESTMENT

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