Pressemitteilung Allianz Global Investors: „Die Stunde der Ökonomen“

teaser_pm-allianz_300_200Außer Unsicherheit hat sie nichts hinterlassen, die US-Notenbank (Fed) mit ihrer Entscheidung, die Zinsanhebung auf dem Zeitstrahl noch weiter nach hinten zu schieben.

Deutlich wird dies u.a. auch daran, dass die Erwartungen der Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) eine Anhebung im Dezember 2015 signalisieren, während diese an den Märkten frühestens für Februar 2016 eingepreist wird, wie die Fed Fund Futures zeigen. Dabei hätte die Datenlage durchaus für einen (behutsamen) Einstieg in den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik gesprochen. So zeigt die Entscheidung nur eines: Die Fed bleibt „hinter der Kurve“ und damit im Reigen der anderen Zentralbanken, die ebenfalls nach dem Motto „im Zweifel lieber niedrige Zinsen für länger“ zu verfahren scheinen.

Da ist es fast schon erfreulich, dass die Märkte nicht wieder in das alte und immer wieder fragliche Verhaltensmuster „niedrige Zinsen = steigende Kurse“ verfielen, wären zeitweise Kursabschläge an den Aktienmärkten nicht so schmerzlich ausgefallen. So einfach ist die Welt nicht. Nicht zuletzt unser jüngstes Investment Forum in New York hat wiederholt unterstrichen, dass das billige Zentralbankgeld einer der Treiber der globalen Ungleichgewichte ist, bis dahin, dass es das Risiko von Vermögenspreisblasen birgt.

Die Inflationserwartungen in den USA sind derweil weiter gesunken. Am US-Staatsanleihenmarkt setzte sich die seit mehreren Wochen zu beobachtende divergente Entwicklung fort: Während die Renditen von „TIPS“ – also von inflationsindizierten Anleihen – steigen, sind die sich daraus in Differenz zu den Nominalanleihen errechnenden Break-Even-Inflationsraten vor dem Hintergrund gefallener Rohstoffpreise gesunken.

Jetzt schlägt sie, die Stunde der Ökonomen. Je mehr Unsicherheit bzgl. der weiteren Entwicklung des Konjunkturpfades, sei es in den Industriestaaten, sei es in den Schwellenländern, herrscht, desto stärker treten die Konjunkturindikatoren wieder in den Vordergrund. Und dass es Analysebedarf gibt, dass zeigte auch die teilweise divergente Entwicklung der letzten Woche bespielhaft an den aus den USA, Europa und China kommenden Daten. Während sich die Lage in Europa und den USA als weiterhin robust zeigte (wie z.B. der Frühindikator des Conference Boards für die USA), bleibt sie in China diskussionswürdig.

Dort verstärkten sich zwar die Anzeichen einer Stabilisierung der Immobilienpreise. Von den erfassten 70 Städten wurden im August in 35 Städten für neu errichtete Immobilien Preisanhebungen binnen Monatsfrist registriert. Gleichzeitig zeigt der chinesische Conference Board Leading-Indikator Stabilisierung an, während die erste September-Schätzung für den Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes Chinas enttäuscht hat. Er hat sich auf einen Indexstand von 47,0 im September eingetrübt, und damit auf den tiefsten Stand seit März 2009.

In der kommenden Woche sollten eine Fülle an Stimmungsindikatoren zum Euro-Wirtschaftsraum sowie die Verbraucherpreise für Deutschland interessant werden (Dienstag). Am Mittwoch folgen dann der Einkaufsmanagerindex für die Region um Chicago sowie das GfK-Konsumentenvertrauen für das Vereinigte Königreich und die Industrieproduktion in Japan. Eine Fülle an Daten ergießt sich dann am Donnerstag über die Märkte. Für die USA stehen die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit, der ISM-Einkaufsmanagerindex und die Bauausgaben an. Aus Italien und dem Vereinten Königreich kommen der Markit-Einkaufsmanagerindex. Für die Eurozone könnten die Regionalwahlen in Katalonien vom Sonntag interessant werden, die sich als Indikator für ein Plebiszit zur Unabhängigkeit der Region erweisen könnten.

Die technische Lage bewegt sich derweil im Niemandsland. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist weiter leicht gestiegen, während die Relative-Stärke-Indikatoren für die USA und Japan eine neutrale und für Europa eine leicht überverkaufte Lage zeigen. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wenn die Unsicherheit gestiegen ist, gibt es vor allem einen Profiteur: die Volatilität.

Die Stunde des Investors wünscht Ihnen,
Hans-Jörg Naumer

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