Pressemitteilung Allianz Global Investors: „Alle Augen richten sich auf die EZB“

teaser_pm-allianz_300_200Allianz | Frankfurt, 27.11.2015.

Im Vorfeld der beiden entscheidenden Sitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und US Federal Reserve (Fed) im Dezember hielten sich die Veränderungen an den Leitbörsen in recht engen Grenzen. Am kommenden Donnerstag richten sich alle Augen auf die EZB.

Auf der Oktober-Sitzung hatte Präsident Mario Draghi proaktiv die Bereitschaft und Fähigkeit des Rats unterstrichen, Volumen, Zusammensetzung und Dauer der quantitativen Lockerung (QE) anzupassen, sofern dies für notwendig erachtet werde. Mehrere Ratsmitglieder, darunter Mario Draghi und Peter Praet, hoben in den vergangenen Wochen abermals ihre Sorge über die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern und die vergleichsweise geringe Dynamik von Konjunktur und Kerninflation im Euroraum hervor.

Dies dürfte sich auch in den neuen makroökonomischen Stabsprojektionen widerspiegeln. Insgesamt scheint für die Währungshüter die Gefahr eines Glaubwürdigkeitsverlustes, der mit einem nachhaltigen Unterschießen der Inflation hinter der EZB-Preisstabilitätsmarke von 2% einherginge, an Bedeutung gewonnen zu haben.

Die Markterwartungen sind hoch – statt des „Ob“ steht nur noch das „Wie“ einer zusätzlichen Lockerungsrunde im Vordergrund. Die Renditen auf 2-jährige Bundesanleihen rutschten zuletzt auf ein
Rekordtief von -0,41%. Weniger als ein Doppelschlag – bestehend aus einer Senkung des bereits negativen Einlagenzinses um mindestens 10 Basispunkte und einer Erhöhung der monatlichen QE-Ankaufvolumina um wenigstens 10 Mrd. EUR dürfte von den Marktteilnehmern wohl als herbe Enttäuschung empfunden werden.

Dagegen sollten die im Vorfeld veröffentlichten vorläufigen Inflationsdaten für die Schwergewichte Deutschland und Italien (Mo) sowie für das Währungsgebiet als Ganzes (Mi) die nachlassenden negativen Beiträge der Energiekomponente erkennen lassen und dazu beisteuern, Deflationssorgen zu zerstreuen.

Inzwischen beläuft sich das Volumen der für geldpolitische Zwecke gehaltenen Wertpapiere des öffentlichen Sektors – vornehmlich aus dem bereits im September 2012 beendeten Securities Markets Programme sowie dem im März 2015 angelaufenen Public Sector Purchase Programme – auf 567 Mrd. EUR (per 20. November 2015). Damit hält das Eurosystem einen Anteil von ca. 5,8% der Bruttostaatsverschuldung des Euroraums. Zum Vergleich: Die Fed hält in ihrem „System Open Market Account“-Portfolio aktuell öffentliche Wertpapiere in der Größenordnung von mehr als 2360 Mrd. USD bzw. einen Anteil von ca. 13% der US-Bruttostaatsverschuldung, die Bank of Japan Ende des dritten Quartals japanische Staatsanleihen in Höhe von knapp 300 Bio. JPY bzw. etwa 28% der Staatsverschuldung Nippons.

Selbst ohne eine Ausweitung von QE dürfte sich der Bestand an öffentlichen Wertpapieren bis Ende 2016 auf mehr als eine Billion bzw. etwa 11% der Bruttostaatsverschuldung des Euroraums erhöhen (siehe unseren jüngsten QE Monitor). Ein Umfeld, in dem Staatsanleiherenditen im Euroraum auf absehbare Zeit auf niedrigen oder sogar negativen Niveaus verharren dürften.

Zu den geldpolitisch relevantesten US-Datenveröffentlichungen zwei Wochen vor der wegweisenden Sitzung des Offenmarktausschusses am 16. Dezember zählen der Auftragseingang in der Industrie (Do), die Stimmung der Einkaufsmanger (Mo, Di, Do), der Konjunkturbericht der regionalen US-Notenbanken „Beige Book“ (Mi) und nicht zuletzt der Arbeitsmarktbericht für November (Fr).

Das Zinserhöhungstempo der Fed sollte in den kommenden Monaten moderat – und damit für Finanzmärkte und Konjunktur verkraftbar – ausfallen. Gleichzeitig könnte die sich abzeichnende verschärfte transatlantische Divergenz der Geldpolitik das Überschießen des US-Dollar-Wechselkurses zunächst aufrechterhalten. Im Umkehrschluss dürften die Gewinnrevisionen im Euroraum durch die geschwächte Gemeinschaftswährung im Aufwind bleiben. Neben der Notenbankpolitik wird sich das Augenmerk der Anleger in der neuen Börsenwoche auf eine Reihe von Konjunkturindikatoren richten, darunter die Industrieproduktion Japans im Oktober. Ob die japanische Wirtschaft nach dem schwierigen dritten Quartal zu einer Erholungsbewegung ansetzt, bleibt mit einem Fragezeichen versehen. Jüngst sprach sich Ministerpräsident Shinzo Abe für eine jährliche Anhebung des Mindestlohns um 3% aus, um die Konjunktur in Gang zu bringen.

Derweil sollten eine Reihe von Einkaufsmanagerindizes für China, Großbritannien und Italien (Di, Do) offenbaren, ob sich die relative Stärke des Dienstleistungssektors gegenüber der Industrie fortschreibt. Befürchtungen hinsichtlich einer regelrechten „harten Landung“ Chinas dürften abermals keinen Auftrieb erhalten. Immerhin scheint die Unsicherheit der Marktteilnehmer über den zukünftigen geldpolitischen Kurs auf beiden Seiten des Atlantiks abzunehmen. Andere Belastungsfaktoren, allen voran (geo-)politische Risiken, sollten jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

Richten Sie Ihre Augen über den Tellerrand, meint Ihre
Ann-Katrin Petersen

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